ZoomIn: Katharina Hilgers - “Wer global denkt, sichert sich heute schon die Fachkräfte von morgen.”

Der Arbeitsmarkt ist leer, doch die Angst vor dem Bürokratie-Dschungel bremst viele Unternehmen aus. Katharina Hilgers räumt mit relokate und retalent diese Hürden weg. Ihr System macht internationale Rekrutierung skalierbar – vom digitalen Onboarding bis zur Integration ganzer Familien. Ein Gespräch über echte Infrastruktur für die Arbeitswelt von morgen.


Viele Unternehmen schrecken vor internationaler Rekrutierung zurück, weil sie hohe Komplexität und Risiken vermuten. Warum ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, global zu denken – und wie nehmt Ihr Unternehmen diese Angst ab?

Viele denken bei Relocation an überfüllte E-Mail-Postfächer, verlorene Dokumente und ewiges Warten auf Rückmeldung. Unser Anspruch ist genau das Gegenteil: relokate ist in 24 Stunden startklar, alles läuft digital über unsere Software – kein Papier, keine Post, keine Blackbox. Wir bauen aktuell sogar Schnittstellen zu Behörden, damit der Prozess nicht nur nutzerfreundlich, sondern auch zukunftsfähig ist. Das kann keine klassische Agentur und keine interne HR-Abteilung leisten, weil sich die Anforderungen und Prozesse weltweit permanent ändern. Wir sind nicht einfach Dienstleister – wir sind Infrastruktur.

Eure Lösung verspricht: Talente aus aller Welt einstellen – ganz ohne Mehraufwand für HR. Wie funktioniert das konkret im Alltag, und wie digital ist Relocation inzwischen wirklich?

Sobald ein Talent einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, startet bei uns alles mit einem Klick: Das Unternehmen legt das Talent in unserer Software an – und innerhalb von 24 Stunden wird automatisch eine personalisierte Welcome-Mail versendet. Von da an läuft alles digital: Dokumente hochladen, prüfen, Welcome-Call, Behördenkommunikation – alles über unsere Plattform.

Der gesamte Prozess – vom Onboarding bis zum Start in Deutschland – dauert bei uns im Schnitt zweieinhalb bis drei Monate. Unsere Software koordiniert alles – von der Krankenversicherung über die Wohnungssuche bis zur Anmeldung beim Bürgeramt. Das ist keine Relocation mehr – das ist ein Komplettsystem."

Ihr habt bereits über 700 Talente und ihre Familien erfolgreich nach Deutschland gebracht. Was braucht es, damit sie nicht nur ankommen, sondern auch langfristig bleiben – und wie wichtig ist dabei der Blick auf die ganze Familie?

Relocation hört für uns nicht am Flughafen auf. Viele Talente gehen wieder, weil ihre Familien nicht mitgedacht werden: Eine promovierte Ehepartnerin darf nicht arbeiten, das Kind findet keinen Kitaplatz. Wir helfen beim gesamten Lebensumfeld – Sprachkurse, Kita- oder Schulvernetzung, Freizeitangebote wie Fußballvereine – und begleiten auch durch den Anerkennungsprozess, wenn z. B. ein Studienabschluss nur teilweise anerkannt ist. Das Ganze ist digital organisiert, aber wirkt vor Ort. Nur so entsteht echte Integration.

Du hast gemeinsam mit Vanessa Fischer retalent gegründet. Euer Ziel: Unternehmen eine ganzheitliche globale Talentstrategie zu ermöglichen – von Talent Attraction bis Upskilling. Was ist dabei eigentlich herausfordernder: das Finden der richtigen Talente oder deren langfristige Entwicklung?

„Beides – wenn man es getrennt betrachtet. Bei retalent verbinden wir Recruiting und Entwicklung von Anfang an. Die Talente, die zu uns in den Pool kommen, bringen bereits validierte Dokumente und Skills mit – oder absolvieren direkt über uns E-Learnings, die von deutschen Behörden anerkannt sind. So machen wir sie nicht nur sichtbar, sondern startklar. Es geht nicht um Lebensläufe, sondern um Einsatzfähigkeit – heute und morgen."

Im Zeitalter von KI, Fachkräftemangel und New Work – wie können Unternehmen durch gezieltes Corporate Learning internationale Fachkräfte wirklich halten und entwickeln?

Internationale Talente zu gewinnen ist nur der Anfang. Viele Unternehmen scheitern bei der langfristigen Bindung. Deshalb kuratieren wir bei retalent die besten Lernangebote – Skills, Fachwissen, Sprache & Kultur – und passen sie auf die Profile unserer Kunden an.

Die Inhalte kommen von spezialisierten Partnern, viele sind staatlich förderfähig. Und genau da liegt unser Hebel: Wir nehmen den Unternehmen nicht nur die komplette Bürokratie ab – Förderanträge, Abrechnung, Verwaltung. Unsere Kunden bekommen: die besten Talente aus aller Welt, die sie unkompliziert einstellen, halten – und können über uns damit auch noch Kosten sparen.

Was war euer größter „Wow-Moment“ oder erfolgreichster Case bisher?

Ganz klar: 25 Ingenieure aus Tunesien, die wir zeitgleich für ein Unternehmen nach Deutschland gebracht haben – inklusive über 40 Familienangehörigen. Das war logistisch, menschlich und strategisch eine Meisterleistung. Wir haben Wohnungen gefunden, Kita-Plätze organisiert, Sprachkurse vermittelt, und mit den Behörden auf drei Kontinenten gearbeitet. Genau für solche Projekte leben wir – weil sie zeigen, dass globales Recruiting kein Risiko, sondern eine echte Lösung sein kann."

Was ist deine Vision für die nächsten 5 Jahre? Wo siehst du relokate & retalent 2030 – und wie verändert ihr die Arbeitswelt nachhaltig?

Unser Ziel ist es, die weltweit beste Infrastruktur für internationale Teams zu bieten – von A bis Z. Das bedeutet: Talente ausbilden, bevor sie in Deutschland sind, Qualifikationen digital ergänzen, staatlich anerkannte Lernpfade kuratieren, Bürokratie abnehmen und Unternehmen jeder Größe befähigen, international zu arbeiten. Branchen wie kommunale Betriebe, Infrastrukturdienstleister oder mittelständische Industrieunternehmen, die bisher ausschließlich lokal rekrutiert haben, werden in den nächsten Jahren zum ersten Mal überhaupt global einstellen müssen. Das ist neu – und muss digital, skalierbar und kosteneffizient umsetzbar sein. Genau das bieten wir. Wir machen internationale Teams nicht nur denkbar, sondern für jedes Unternehmen umsetzbar.

Was unterscheidet das Recruiting internationaler Talente – und warum lohnt es sich gerade jetzt, global zu denken?

Internationales Recruiting funktioniert völlig anders als klassisches Inlands-Recruiting. Es ist weniger transaktional – es braucht Strategie, Struktur und System. Was viele nicht wissen: Internationale Talente bringen oft eine enorm hohe Motivation mit, eine starke Lernbereitschaft und sind oft schneller bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig brauchen sie ein professionelles Umfeld, das sie integriert statt überfordert. Wer das richtig aufsetzt, sichert sich heute schon die Fachkräfte von morgen – und das oft zu besseren Bedingungen als auf dem überlaufenen lokalen Markt.